
TAP – Torre al Parco
Magistretti-Olivari
SALONE DEL MOBILE 2021
5.-10. September 2021
Führungen und Ausstellung im Eingangsbereich des Gebäudes Torre al Parco
Torre al Parco
Vico Magistretti, Franco Longoni
Via Revere 2, Milano
Vier Führungen pro Tag (eine auf Englisch)
Von 16.00 bis 18.00 Uhr – Dauer: 30 Minuten
Max. 15 Teilnehmer
In Zusammenarbeit mit der Fondazione Vico Magistretti

Die Führungen werden von den Architekten Marialuisa Montanari und Stefano Suriano vom Studio Ad Urbem geleitet, das auf die Förderung der Kenntnis und Verbreitung der modernen Mailänder Architektur spezialisiert ist.
Für diesen Anlass wurde das im historischen Magistretti-Archiv aufbewahrte Material sorgfältig untersucht. Ein Teil des gesammelten Materials floss in den Band „TAP2021“ ein, der die Hauptelemente des Projekts in seinen architektonischen wie konstruktiven Aspekten zusammenfasst.
Am Ende der Führung erhalten alle Teilnehmer ein Exemplar des Bandes geschenkt.
TORRE AL PARCO
Die Zusammenarbeit Magistretti-Olivari
In den fünfziger Jahren entsteht das Design mit den Architekten und mit der Architektur: Auch bei der Torre al Parco entwerfen die Planer jedes Bauelement und jedes Detail des Gebäudes bis ins Kleinste, bis hin zu den Türdrückern, die Vico Magistretti entwarf und Olivari 1956 eigens für diesen Anlass produzierte.

Unter dem Namen „Torre del Parco“ ist der Türdrücker im Olivari-Katalog von 1962 vertreten und bleibt dort bis in die siebziger Jahre mit dem spezifischen Namen des Gebäudes, für das er entworfen wurde. Das verwendete Material war Messing in glänzender Ausführung, die eingesetzte Technologie der Druckguss.
Der in den Versionen für Türen und Fenstertüren gefertigte Türdrücker ist ein schlankes, leichtes Element mit weicher, geschwungener Linie, das mit seiner Essenzialität dem Bedürfnis entspricht, den Metalleinsatz wo möglich zu reduzieren. Der Griff ist nach heutigen Maßstäben in der Tat klein, stand jedoch im richtigen Verhältnis zu den Türen und Fensterrahmen jener Jahre mit ihren bescheidenen Abmessungen. Auch die Rosetten waren sehr klein, dem Türdrücker angemessen.


Historische Notizen
Die Geschichte der Torre al Parco beginnt 1953, als die Gesellschaft Liquigas Vico Magistretti und Franco Longoni mit der Entwicklung eines neuen Projekts für ein Wohngebäude beauftragt.
Die Entwurfsentscheidung der beiden Architekten entspringt der Notwendigkeit, eine privilegierte Beziehung zum Grün des Parco Sempione herzustellen, in die Höhe zu bauen und nur ein Drittel der verfügbaren Grundstücksfläche zu nutzen (450 m² von insgesamt 1200 m²), entlang des Einschnitts des letzten Abschnitts der Ferrovie Nord Milano. Insbesondere wurde 1953 der Stadt Mailand der Vorschlag unterbreitet, das bereits genehmigte Bauvolumen für einen traditionellen, 30 Meter hohen Blockbau mit geschlossenem Hof in einen neuen, aufragenden Wohnturm von 85 Metern Höhe zu übertragen, mit entsprechend geringerer Bodenversiegelung.
Tragwerk: Fundamente, Träger, Pfeiler und Decken aus Stahlbeton
Außenverkleidungen: mit Serizzo- und Granitsplitt verkleidete Platten, in zwei Grautönen
Innenverkleidungen: Buche „Pagholz“ (Eingangshalle), Keramik-Mosaiksteine (Treppen und Nebenräume), Gipsoberfläche (Räume)
Innenböden: Serizzo-Platten (Eingangshalle und Treppenabsätze), Marmor Calacatta Oro, roter Levanto-Marmor und andere, Parkett (Wohnungen)
Außenböden: Porphyrpflaster
Dach: flach als Terrasse, auch über dem zentralen Technikvolumen begehbar
Treppen: Struktur aus Stahlbeton, Stufen aus Serizzo, Geländer aus Eisen
Fenster und Türen: aus naturbelassenem Pitch-Pine-Holz, zweiflügelig mit abtrennbarer Verglasung; mit weiß lackiertem Gusseisenrahmen (Bow-Windows der Wohnzimmer)

Der Turm als Ausdruck einer modernen Wohnkultur
Die zwischen 1953 und 1956 nach einem Entwurf von Vico Magistretti und Franco Longoni errichtete Torre al Parco ist durch die Modernität ihres städtischen Erscheinungsbilds und ihre raffinierten räumlichen Lösungen eines der elegantesten Beispiele des Wohnhochbaus im Zentrum Mailands.
Das Gebäude mit einundzwanzig oberirdischen Geschossen und drei unterirdischen Garagenebenen hat einen L-förmigen Grundriss, mit dem polygonalen Treppenhaus in der Innenecke, zu dem alle Nebenräume ausgerichtet sind. Die Wohnzimmer und Haupträume öffnen sich zu den beiden Längsseiten, zum Grün des Parks und zur Skyline des Stadtzentrums.
Im Entwurf interpretieren Magistretti und Longoni das Prinzip des Hauses aus übereinandergestapelten Villen neu, das in den Mailänder Wohnbeispielen jener Zeit so erfolgreich war, und passen es an das Thema des hohen Gebäudes an. Durch die freie Überlagerung zweier Regelgeschosse in einem unregelmäßigen Rhythmus, der auf dem Wechsel von Fülle und Leere in den Fassaden spielt, vermitteln die Architekten ein gegliedertes, komplexes Bild des architektonischen Organismus.

Die Ausdrucksfreiheit und Vielfalt der Fassaden spiegelt sich auch in der Definition und im Zuschnitt der Wohnungen wider und entsprach den individuellen Bedürfnissen des Mailänder Unternehmerbürgertums jener Jahre, das zunehmend das Bedürfnis nach einer Personalisierung der eigenen Wohnung verspürte.
Der Turm stellt, wie Magistretti im Projektbericht schreibt, „einen volumetrischen Ausdruck dar, der sich vom Geist des Wolkenkratzers lösen will, verstanden als algebraische Vervielfachung von Geschossen, die von den Vorschriften in einer bestimmten Höhe gekappt wird, um, soweit möglich, eine Individualität einzelner Wohnstätten wiederzugeben und auszudrücken“.
